Chronik

Man darf davon ausgehen, dass auch in Schaftlach und Umgebung das Eisstockschießen als altes winterliches Spiel mindestens schon seit Beginn des vorherigen Jahrhunderts betrieben wird. Wir wissen das aus den mündlichen Überlieferungen von Eltern und Großeltern sowie aus Lese- und Liederbüchern.

Die vielen Weiher und Seen in unserer näheren Umgebung haben es sicherlich auch unseren Vorfahren hier angetan – weniger zum Baden, sondern mehr zum Eisstockschießen.
Am Krottenthaler Weiher wurde sich getroffen und später, so ab den 60er Jahren, war dann das Gelände des ehemaligen Parkplatzes vom Gasthaus »Zur Post« in Schaftlach der große Treffpunkt der Eisstockschützen. Man hatte je nach Witterung eine Schnee- oder Eisbahn angelegt, im rechten Winkel zur Bürgermeister-Erl-Straße auf der Höhe des Greppmair-Hauses (alte Schmiede). Eine Asphaltbahn gab es damals in Schaftlach noch nicht.

Völlig unorganisiert und ohne Verein kam man zusammen, war an der frischen Winterluft und hatte seine Bewegung – immer natürlich auch mit der Gewissheit oder dem Hintergedanken, dass der Wirt nicht weit weg war. Den Erzählungen nach muss es damals schon eine große Schar begeisterter Anhänger dieses im Oberland beliebten Volkssports gegeben haben.

Als die Begeisterung immer größer wurde, taten sich die »Eisratz’n« zusammen und gründeten am 19.01.1964 den Verein. Beim Postwirt – damals war es der Schütz Max sen. – traf man sich zur Gründungsversammlung. In den Vereinsakten gibt es den nachstehenden Zeitungsbericht aus der Tegernseer Zeitung vom 24.01.1964, den der spätere Schriftführer Hermann Karrer, der erst im März 1964 zum Schriftführer unseres Vereins gewählt wurde und dieses Amt bis zum Mai 1975 in hervorragender Manier ausgefüllt hat, über die Zeit gerettet hat.

Eisratzen tun sich zusammen
Auch in Schaftlach wird die Daube angepeilt – Das erste Pokalspiel

Schaftlach (ma) – Wer in letzter Zeit in die Schaftlacher »Post«–Wirtschaft kam, bemerkte als Neuerung über dem einzigen runden Tisch der großen Wirtsstube einen an einer Kette herunterhängender Eisstock, an dem eine Holztafel mit der Inschrift »Eisratz’n« befestigt ist. Um das Geheimnis zu lüften: Schaftlach hat einen neuen Verein. Er heißt »E Schaftlach« (»Eisratzen«Schaftlach) und hat sich die Förderung des Eisstockschießens zum Ziel gesetzt.
Schon lange gab es im Ort eine ganze Menge begeisterter Anhänger des im Oberland sehr beliebten Sportes. Während die Krottenthaler auf ihrem Weiher, der groß genug dafür ist, dem Eisstockschießen huldigen, hat der »Post«–Wirt Max Schütz auf seinem Anwesen eine künstliche Eisbahn geschaffen, auf der schon lange gespielt wurde und wo nun die Moarschaften des Hauptortes ihre Eisstöcke auf die Dauben ansetzen können; denn nun haben sich die Anhänger dieser Sportart zur großen Freude des ganzen Ortes organisiert. Ein Vorstand wurde gewählt, dem M. Schütz als 1. Vorstand, M. Walleitner als 2. Vorstand, K. Klawon als Kassier und Fräulein März als Schriftführerin angehören. Außerdem wurde ein fünfköpfiger Ausschuss bestimmt. Die Mitgliederzahl ist inzwischen auf 45 angewachsen.
Kürzlich fand bereits das erste Vereinsschießen, ein Pokalschießen um die Vereinsmeisterschaft, statt. Dabei ging es um den von Willi Stapf (Schaftlach) gestifteten Silberpokal. Dank der guten Organisation des Spielausschusses ging das Schießen reibungslos vonstatten, was bei einem jungen Verein viel heißen will. Nicht weniger als acht Moarschaften beteiligten sich daran. Nachfolgend die Ergebnisse:
1. Moarschaft M. Hackl (12:2 Spielpunkte), 2. Moarschaft L. Hauder (11:3),
3. Moarschaft M. Walleitner (10:4), 4. Moarschaft N. Hirsch (8:6),
5. Moarschaft Bartlbauer (5:9), 6. Moarschaft H. Spannagl (5:9),
7. Moarschaft K. Klawon (5:9), 8. Moarschaft W. Siegl (0:14).

Der Silberpokal ging somit an die Moarschaft M. Hackl.

Und das sind die 21 Gründungsmitglieder:
Max Schütz sen., Hans Grasmüller, Anton Bernecker, Walter Siegel, Kurt Klawon, Gertrud Merz, Martin Walleitner, Georg Hauder jun., Max Hackl jun., Norbert Hirsch, Peter Sappl, Anton Fischhaber, Herbert Spannagl, Helmut Klawon, Josef Schwarz, Willi Stapf, Alfons Kirmayr, Armin Gröbmeier, Helmut Raab, Christoph Granich, Max Köppl.

Viele Probleme standen seit der Vereinsgründung an und wurden mit der Zeit gelöst. Bei der Frage, wie man dem Bayer. Landessportverband beitreten solle, entschied man sich von Anfang an mehrheitlich für den selbständigen Beitritt zum Bayer. Eissportverband im BLSV, nicht über den TSV Schaftlach als Eisstocksparte. Auch ein Zusammengehen mit den Wanderfreunden bzw. deren Aufnahme als Sparte des ESV war später kein Thema. Dann brauchte man natürlich eine Satzung, für die Hermann Karrer sich verantwortlich zeichnete und die im wesentlichen heute noch gültig ist. Das wichtigste Anliegen war selbstverständlich ein günstiger Standort für den Eisplatz.

Dieses Thema stand unter dem Tagesordnungspunkt »Eisbahnbau« sehr lange und oft auf der Tagesordnung von Ausschuss–Sitzungen und Jahreshauptversammlungen. Aber man war erst auf der Suche und musste noch viele Jahre auf einen richtigen Sportplatz verzichten. Solange war man noch – außer Krottenthaler Weiher und gelegentlich auch Kirchsee – auf den winterlichen Eisplatz beim Gasthof zur Post angewiesen. Aber man hatte dort schon Lichtmasten mit einer Lichtanlage mit Zwischenzähler zum Wirt und einen Hydranten zum Eis machen beim Anwesen Georg Hauder. Eisbahnbenutzungsgebühren waren auch einmal beschlossen worden. Und für den Sommer hatte sich Josef Decker einmal eine Eisstockschießanlage nach Art einer Tischkegelbahn zum Trainieren gewünscht. Zwischendurch hatte man auch den Krottenthaler Weiher mehrmals »gereinigt«, damit die Wasserpflanzen im Winter die Eisbildung nicht behindern sollten. Schließlich hat man sich dann 1967 endgültig für die Errichtung einer Eissportanlage auf dem damaligen Fußballplatz des TSV Schaftlach an der Piesenkamer Straße entschlossen. Der TSV hat den Eisratz’n also im Winter den Platz und die kleine Vereinshütte zu günstigen Konditionen überlassen – ein Beweis für den Zusammenhalt der beiden Vereine. Gemeinsam haben sie das Vereinsheim winterfest hergerichtet.
Die Gemeinde (damals noch Schaftlach unter Bürgermeister Anton Granich) stellte einen Hydranten zur Verfügung.

Bis 1973 hat es dann gedauert, dass nach Aufgabe des Fussballplatzes durch den TSV endlich ein eigener Platz für die Eisratz’n zur Verfügung stand und der Pachtvertrag mit der Familie Sebastian Obermüller (Moarbauer) am 01.07.1973 wirksam wurde, so dass mit dem Bau einer festen Eisschießanlage begonnen werden konnte. Aber es war noch ein langer und beschwerlicher Weg, bis der Platz, auf dem damals nur im Winter geschossen werden konnte, ein Asphaltplatz geworden ist und von Pfarrer Zimmermann mit einem feierlichen Gottesdienst im Juli 1975 eingeweiht wurde. Inzwischen ist der Asphaltplatz schon mehrmals ausgebessert bzw. erneuert und dann auch durch unser neues Vereinsheim verschönert worden. Seitdem tummeln sich die Eisratz’n winters wie sommers draußen auf dem Platz, stellen ihn aber auch der Allgemeinheit zum Eishockeyspielen oder Eislaufen und den örtlichen Feuerwehren zum Üben zur Verfügung.

Weniger lang hat – Gott sei Dank – der Bau des Vereinsheims gedauert. Josef Hacklinger, der 1977 1. Vorstand geworden war und dieses Amt im April 1983 dann an Josef Mannhart abgegeben hat, war geradezu besessen von der Idee, dem schönen Eis– und Asphaltplatz durch ein heimeliges Vereinsheim die Krone aufzusetzen. Längst war nämlich die von den Eisratz’n übernommene TSV–Hütte zu klein und ungemütlich geworden. Nach nur zweijähriger Bauzeit war es geschafft und im Juni 1980 konnte das Vereinsheim von Pfarrer Ritthaler gesegnet werden, der besonders seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass auf dieser sportlichen Wettkampfstätte der Herrgott nicht vergessen worden war.
Vorher hatte 1. Vorstand, Josef Hacklinger, zahlreiche Mitglieder und Freunde des ESV begrüßen können. Dank und Anerkennung sprach er allen ehrenamtlichen Helfern, den Geld– und Sachspendern sowie der Gemeinde Waakirchen aus. Besonderer Dank galt auch den Eheleuten Obermüller, die auch dem Bau des Vereinsheims zugestimmt hatten. Deutlich war beim 1. Vorstand auch die Erleichterung darüber zu verspüren, dass sich die anfänglichenSorgen in finanzieller Hinsicht, die auch dem Hauptkassier Franz Dollinger schlaflose Nächte bereitet hatten, doch einigermaßen aufgelöst haben.

Während der Amtszeit von Josef Mannhart als 1. Vorstand (1983 – 1987) wurde das Vereinsheim umgebaut und erweitert. Für diesen Vereinsvorstand war es fast naheliegend, dass er sich da einiges hat einfallen lassen, er ist schließlich gelernter Bauingenieur. Wieder haben viele Vereinsmitglieder, Freunde und Gönner des Vereins mitgeholfen. Besonders fleißig war wiederum Richard Hacklinger, der sich als Bauleiter und »Mädchen für alles« betätigt hat.